Wenn der "Landarzt", erschöpft nach vielen Krankenbesuchen, Appetit auf ein Feierabendbier verspürte, dann begab er sich flinken Schrittes in "Asmussens Kneipe". Dort waren sie schon am Stammtisch versammelt, die Honoratioren von "Deekelsen" - und ein Millionenpublikum schaute ihnen zu. Seit nunmehr 19 Jahren ist das Schleistädtchen Kappeln zum Filmort "Deekelsen" avanciert. Hier praktizierte der ZDF-"Landarzt", gespielt von Walter Plathe und Wayne Carpendale. Heinz Reincke, (2011 verstorben), ein Kieler Jung mit großer TV- und Theaterkarriere, spielte den Pastor Albert Eckholm von St. Nikolai so überzeugend, dass sich bestimmt schon viele Zuschauer gewünscht haben, von ihm getraut zu werden. Wer auf den Spuren des Landarztes nach Kappeln kommt, der muss"Asmussens Kneipe" nicht lange suchen: sie liegt direkt neben der Kirche. Wann immer Heinz Reincke Drehtermine in "Deekelsen" hatte, wohnte er im Hotel "Aurora". Im Untertitel heißt das "Aurora" längst "Landarztkneipe". In dem schmucken Hotel (22 Zimmer) gibt es mittlerweile nicht nur eine Heinz-Reincke-Suite, sondern auch eine Hochzeitssuite mit Himmelbett. Ob Kuschelwochenende oder Kurzurlaub, das "Aurora" bietet Gemütlichkeit mitten in "Deekelsen". Nur die Trauung, die konnte Heinz Reincke denn doch nicht vornehmen.
Im "Aurora" fand die Gala zu Heinz Reinckes 80. Geburtstag statt. Das "Aurora" selbst feierte schon seinen 30. Geburtstag. Das Gasthaus ist viel älter.Schon im Jahre 1807 wurde hier Schnaps gebrannt. Doch vor 30 Jahren begann unter der Regie des Gastronomen Dieter Söhner eine neue Blüte. Heute ist das "Aurora" längst beliebter Treffpunkt zum Sehen und Gesehen werden. Fisch und Steaks stehen ganz oben auf der Speisenkarte und frühstücken kann man hier bis abends. Wer sich auf die Spuren des Landarztes begibt, kann einen herrlichen Tag an der herbstlichen Schlei verbringen. Die vielleicht schönste Tour führt, auf einem kleinen Umweg, von "Deekelsen" zur Landarztpraxis. Dr. Teschner praktiziert nämlich nicht wirklich in Kappeln, er hat einen etwas längeren Weg zum Feierabendbier als Pastor Eckholm. Die Filmleute haben den fiktiven Ort "Deekelsen" aus diversen Schauplätzen zusammengefügt. Wenn Dr. Teschner mit wehendem weißen Kittel von seiner Praxis zu seinem Mercedes-Benz Geländewagen sprintet, dann macht er das auf Gut Lindauhof. Um dorthin zu gelangen, fahren wir ein wenig durch die Schleilandschaft.
Von Kappeln aus geht die Fahrt zunächst ein kurzes Stück auf der B 201 Richtung Schleswig – aber nur bis zur Abzweigung nach Arnis. Über das Dörfchen Grödersby, hier findet sich übrigens der "Marienhof", Wohnsitz von Deekelsens Tratschtante Sellmann, geht es weiter zur kleinsten Stadt Deutschlands. Arnis genießt Stadtrechte, hat aber nur knapp 350 Einwohner.
Wer einen "Stadtrundgang" einplant, parkt am besten vor dem Ort und fährt später zur Schleifähre. Sechs Autos haben Platz auf dieser Seilzugfähre, die übrigens keine Vorfahrtsrechte genießt. Runde drei Minuten dauert die Seefahrt, dann hat man übergesetzt von Angeln nach Schwansen. Auf Schwansener Seite geht die Fahrt an der ersten Kreuzung nach rechts (Richtung Winnemark) bis nach Sieseby. Dieses Dorf ist ein Juwel unter Reet, es steht in seiner Gesamtheit unter Denkmalschutz.
In Sieseby finden sich kaum Parkplätze, der Wagen sollte daher unmittelbar vor dem Dorf abgestellt werden.
Nach einem Rundgang durch Sieseby geht es weiter Richtung Eckernförde – bis zur Abzweigung Lindaunisser Brücke. Hier passieren wir erneut die Schlei und befinden uns danach wieder auf Angeliter Boden. Wenige Meter hinter der Klappbrücke führt uns der Weg nach links über die Bahnschienen. An einem Campingplatz vorbei, geht es einige hundert Meter an einem Schlei-Noor entlang. An der ersten Straßenkreuzung biegen wir links ein. Das kleine Hinweisschild "Landarztpraxis" ist schnell übersehen. Nun sind es nur noch wenige Meter in langsamer Fahrt bis zum Gut Lindauhof. Nun noch schnell den Wagen geparkt und zum Gutshaus geeilt. Und wer auch nur jemals eine einzige "Landarzt"-Episode gesehen hat, wird sagen können: "Ja, diese Treppe kenn´ ich." Heute befindet sich dort ein Café.