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Natur und Geschichte

Wie der Ellenberger Krug jahrhundertelang zwei Ufer verband

Die Schlei schneidet sich als schmaler Ostseefjord tief ins Landesinnere Schleswig-Holsteins und trennt dabei Siedlungen, die nur wenige hundert Meter Luftlinie voneinander entfernt liegen. An ihrem Ufer entstand bereits vor Jahrhunderten das kleine Dorf Ellenberg – erstmals 1450 in einer Verkaufsurkunde erwähnt, gelegen östlich der Kernstadt Kappeln. Doch der Ort war weit mehr als ein stilles Fischerdorf am Wasser. Im Zentrum seines gesellschaftlichen Lebens stand der Ellenberger Krug: ein Gasthof, der als Dreh- und Angelpunkt für Reisende, Fischer und Händler diente und dessen Geschichte untrennbar mit der Fährverbindung über die Schlei verwoben ist. Die Rolle dieses Wirtshauses reichte dabei weit über die eines gewöhnlichen Schankbetriebs hinaus.

Die Fähre über die Schlei – Lebensader zwischen zwei Ufern

Seit Jahrhunderten bestand zwischen Kappeln und Ellenberg eine Fährverbindung, die für beide Seiten unverzichtbar war. Auf dem Kappelner Ufer warteten Reisende im Fährhaus “Börse” am Fährberg auf die Überfahrt – eine Gaststätte, die erst im Zweiten Weltkrieg durch eine Fliegerbombe zerstört wurde. Auf der gegenüberliegenden Schwansener Seite übernahm der Ellenberger Krug dieselbe Funktion: Anlaufstelle, Warteraum und gesellschaftlicher Mittelpunkt zugleich.

Die Überfahrt selbst erfolgte mit einem Prahm, einem flachen Fährboot, das stark von Wind und Strömung der Schlei abhängig war. Je nach Wetterlage konnte die Wartezeit auf den Fährmann Stunden dauern. Wer am Ellenberger Ufer stand und nach Kappeln wollte, hatte kaum eine andere Wahl, als im Krug einzukehren. So wurde der Gasthof nicht durch geschicktes Marketing erfolgreich, sondern schlicht durch die Geografie – die Schlei selbst trieb ihm die Gäste zu.

Der Ellenberger Krug – Gasthaus, Treffpunkt und Spielstube

Der Krug am Ellenberger Fährufer war weit mehr als eine Schankwirtschaft am Wegesrand. Er vereinte Funktionen, die das gesamte soziale und wirtschaftliche Leben der umliegenden Gemeinden berührten – vom Handelsplatz über die Herberge bis hin zur Spielstube.

Kartenspiel, Würfel und die Lust am Risiko

Zum Alltag in norddeutschen Gasthöfen gehörten seit jeher auch Karten- und Würfelspiele. Im Ellenberger Krug vertrieben sich Fischer und Fährreisende die Wartezeit mit Knobeln, Skat und kleinen Wetten – eine Praxis, die so verbreitet war, dass manche Wirtshäuser eigene Spielregeln und Verhaltensvorschriften an die Wand hängten. Die Grenze zwischen harmlos – und echtem Nervenkitzel war dabei fließend, und genau diese Spannung machte den Reiz aus.

Dieser Hang zum Spiel ist keineswegs verschwunden, er hat lediglich die Form gewechselt. Wo einst Würfel über den Holztisch rollten, drehen sich heute digitale Walzen auf dem Bildschirm. Auf Portalen wie Need for Spin Casino Bonus ohne Einzahlungfinden Spieler aus ganz Deutschland geprüfte Anbieter mit transparenten Bonusbedingungen und seriösen Lizenzen. Ein zeitgemäßer Rahmen für eine uralte Leidenschaft, die schon in den Gasthöfen an der Schlei ihren festen Platz hatte.

Mehr als nur ein Wirtshaus

Neben dem Spieltisch erfüllte der Krug Funktionen, die heute auf Dutzende Einrichtungen verteilt sind. Er war Gasthof für Übernachtungen, Handelsplatz für Absprachen zwischen Fischern und Händlern sowie Nachrichtenbörse für die gesamte Umgebung. Neuigkeiten, Gerüchte und amtliche Bekanntmachungen verbreiteten sich über den Tresen schneller als auf jedem anderen Weg.

Besonders eng war die Verbindung zum lokalen Fischereigewerbe. Die Erlen, die dem Ort seinen Namen gaben – Ellenberg leitet sich von Ellernberg ab, dem Berg der Schwarz-Erlen – lieferten den Fischern beider Ufer einen wertvollen Rohstoff. Mit der rotbraunen Borke der Alnus Glutinosa färbten sie ihre Segel, und der Krug war der natürliche Ort, an dem solche Handelsgeschäfte besprochen und besiegelt wurden.

Die Pontonbrücke verändert alles

Das Ende der traditionellen Fährkultur kam nicht schleichend, sondern mit einem konkreten Datum. Im Zuge der Deutsch-Dänischen Auseinandersetzungen wurde 1864 eine Pontonbrücke über die Schlei errichtet, die ab 1866 als feste Verbindung etabliert wurde. Für den Damm zur Brücke entnahm man Erdreich aus der Koppel rechts der Straße nach Loitmark – die Abgrabungsstelle ist noch heute im Gelände erkennbar.

Für die Fähre und damit für den Ellenberger Krug bedeutete die Brücke einen Wendepunkt. Reisende überquerten die Schlei nun in Minuten statt in Stunden. Das erzwungene Warten fiel weg, und mit ihm der wichtigste Grund, im Krug einzukehren. Was jahrhundertelang funktioniert hatte, verlor innerhalb weniger Jahre seine Grundlage – ganz ähnlich, wie die Eisenbahn im selben Jahrhundert Dutzende Poststationen und Raststätten entlang der alten Landstraßen überflüssig machte.

Ellenberg im 20. Jahrhundert – vom Fischerdorf zum Stadtteil

Die größte Veränderung erlebte Ellenberg nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen ließ die Einwohnerzahl auf rund 1.500 ansteigen, und die Gemeinde musste in kürzester Zeit massiv bauen. Die Siedlungstätigkeit umfasste unter anderem:

  • 17 Eigenheime als Grundstock der neuen Siedlung Ellenberg
  • 10 Doppelhäuser im zweiten Bauabschnitt
  • 4 Wohnblocks für 38 Familien im Rahmen der Barackenräumung
  • 12 Siedlungshäuser für Ellenberger Fischer und Deputatarbeiter
  • 7 Bauernhöfe von 17 bis 20 Hektar an der Straße nach Olpenitz

Die Anfangsjahre waren alles andere als komfortabel. Straßenbeleuchtung fehlte trotz dichter Bebauung, Bauabfälle und Asche landeten in offenen Kellergruben und zogen Rattenplagen nach sich, und die erste Schule befand sich in einer umfunktionierten Baracke. Doch Schritt für Schritt wuchs Ellenberg zu einem vollwertigen Stadtteil Kappelns heran – mit eigener Schule, Kirche, Feuerwehr und einer Infrastruktur, die den alten Fischerort kaum noch erahnen lässt.

Fazit

Vom Ellenberger Krug selbst ist heute kein Gebäude mehr erhalten. Doch seine eigentliche Leistung, einen Ort der Begegnung zwischen zwei getrennten Ufern zu schaffen, wirkt als Prinzip fort. Die Schlei definiert Kappeln und Ellenberg bis heute, und die Brücke, die einst den Krug überflüssig machte, erfüllt im Grunde dieselbe Aufgabe: Menschen von einem Ufer zum anderen zu bringen.

Die Geschichte eines einzelnen Gasthofs erzählt so im Kleinen die Geschichte einer ganzen Region, in der Geografie den Alltag bestimmte, Handel und Geselligkeit untrennbar verbunden waren und das Bedürfnis nach Verbindung. Über das Wasser hinweg – immer stärker war als das, was trennte.


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